30.01.2012 campus-leben

Der Autor Benjamin Stein zu Gast am mediacampus

Die Zusammenarbeit des mediacampus mit dem C.H. Beck Verlag kann mittlerweile auf eine lange und bemerkenswerte Historie zurück blicken: Zweimal im Jahr ist der Verlag zu Gast am mediacampus frankfurt | die schulen des deutschen buchhandels.

Während der inhaltliche Schwerpunkt der Herbstveranstaltung auf dem Sachbuchprogramm liegt, lädt der Verlag im Frühjahr den Branchennachwuchs zu einem literarischen Hochgenuss ein. So kam 2010 der international bekannte Autor Matt Beynon Rees, 2011 kam Catalin Dorian Florescu (Gewinner des Schweizer Buchpreises 2011) und am Abend des 24.01.2012 begann Benjamin Stein seine aktuelle Lesereise mit seinem soeben ausgelieferten Roman Replay.

Ausgehend von großen, aber von unserer Gesellschaft kaum wahrgenommenen Gegenwartsproblemen entwickelt Stein in Replay ein düsteres Zukunftsszenario: In naher Zukunft ermöglicht ein Augenimplantat, das UniCom, Wahrnehmungsprozesse einer künstlichen Linse mit den neurologischen Prozessen im menschlichen Gehirn zu verknüpfen. Das Besondere an diesem – von der United Communications Corporation entwickelte Implantat – ist die Möglichkeit, nicht nur gestochen scharf zu sehen, sondern sämtliche Erlebnisse wahrnehmungsgetreu zu speichern und durch Replays immer wieder erlebbar zu machen. Zu einem absoluten Verkaufsschlager wird das Produkt aber durch die Möglichkeit, dass Menschen über das Implantat miteinander kommunizieren und sich vernetzen können, um beispielsweise Replays gemeinsam nachzuerleben. Die komplette Computer-, Medien-, Internet-, Unterhaltungs-, Mobilfunk- und Kommunikationswelt, wie wir sie heute kennen, wird sich zukünftig nur noch über das UniCom abspielen. Die Corporation entwickelt sich zum mächtigsten Konzern weltweit, nur einige wenige verweigern sich der Verwertungslogik, denn es macht einfach viel zu viel Spaß, mit dem UniCom zu leben. – Die Überwachung durch die selbstverständlich gespeicherten Daten ist perfekt. Anders als bei Orwell erleben wir bei Stein aber keinen totalitären Staat, in dem sich die Menschen unterdrückt fühlen. In Steins Zukunftsvision sind alle aufgrund der überwältigenden und belustigenden Möglichkeit des UniComs willfährig und unbekümmert, ihre privatesten Details aufzeichnen zu lassen.

Über 50 Auszubildende folgten gespannt der Buchvorstellung. In der anschließenden Fragerunde gelang es dem Autor, die Zuhörenden in ein lebhaftes Gespräch über die Probleme der Gegenwart einzubeziehen: Einerseits nutzen sehr viele Menschen soziale Netzwerke wie Facebook und gieren nach einem trendy-sexy Smartphone wie die von Apple, andererseits kümmert es niemandem, was mit den persönlichen Daten passiert, die selbstverständlich von den Unternehmen gespeichert werden.

Der mediacampus dankt dem Autor und dem Verlag für diesen einmal mehr gelungenen C.H. Beck Verlagsabend und freut sich bereits jetzt auf den Herbst!

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