07.02.2014 campus-leben

nie mehr nacht

der schriftsteller mirko bonné liest aus seinem aktuellen roman

2012 hatten wir nahezu die gesamte Longlist des Deutschen Buchpreises, inklusive der Gewinnerin Ursula Krechel zu Gast am mediacampus bzw. im Azubistro. Auch viele der Longlist-Autorinnen und Autoren 2013 waren zu einem literarischen Abend auf dem Campus. Mit Mirko Bonné setzten wir dieses literarische Engagement am Abend des 03.02.2014 fort. Bonné kam mit seiner Lektorin Sabine Baumann, um seinen für die Shortlist 2013 nominierten Roman «Nie mehr Nacht» vorzustellen. Über 40 Auszubildende sind dieser Einladung, Literatur zu erleben in die Piper Lounge gefolgt.

Aber was heißt das nun? – Die Piper-Lounge als Ort, an dem wie am Fließband Lesungen stattfinden mit dem Ziel darzustellen «Wir sind die literarischsten»? Es mag so schlicht erscheinen, aber nein, so einfach, so simpel ist es eben nicht. Der Buchhandel hat – Branchenveränderung hin und her – viele Facetten. Für mich als Literaturdozent ist der kulturelle Aspekt nicht nur Leidenschaft, es ist mir wichtig klarzustellen, dass die Literatur genuin mit dem Buch-Handel verbunden ist. Die Kultur ist unserer Branche immanent und das dürfen wir und vor allem können wir nicht leugnen, wie beispielsweise Roland Reuß in «Fors. Der Preis des Buches und sein Wert.» beeindruckend aufzeigt. So gesehen ist es weder Zufall, wenn die Piper-Lounge, ehemals Sitzkuhle Fachschule, zu den literarischsten Orten der Bundesrepublik gehört; noch ist es Marketing darzustellen, dass fast alle, die in der deutschsprachigen Literatur zu Rang und Namen gelangten, ab 1962 (Baujahr!) bei uns zu Gast waren. – Marketing wäre es, dies so darzustellen, gerade deshalb eine Ausbildung im Buchhandel zu machen. …aber auch Marketing hat eine Lebensberechtigung.

Doch mache ich es mir in dieser Darstellung nicht zu einfach? – Ja, ich mache es mir zu einfach, denn bei aller «Immanenz» gilt es doch vor allem, den Verlagen und den Autorinnen und Autoren zu danken, die dieses überhaupt ermöglichen! Gäbe es nicht solch engagierte Verlage wie Schöffling & Co., die dem Branchennachwuchs literarische Lesungen ermöglichten, was wäre der Campus leer…

Dieses Dankeschön gilt grundsätzlich; aber umso mehr, wenn es sich um einen so bemerkenswert schönen Abend handelt: Mit klugen und angenehm kurzweiligen Worten stellte die Lektorin zunächst die 20 jährige Verlagsgeschichte vor und führte in das Werk Mirko Bonnés ein. Eine Begegnung mit Bonné selbst ist ein wahrer Glücksfall. Gekonnt nimmt er seine Zuhörer mit auf eine Reise zu seiner Gedankenwelt, zu seiner Literatur, zu seinem Roman «Nie mehr Nacht». Selten habe ich ein so intensives Gespräch im Anschluss an eine Lesung erlebt. Eine Freude für alle Anwesenden und ich glaube, auch für den Autor. Eine Freude, die uns noch lange in Erinnerung bleiben wird. Es war eine von jenen Begegnungen, welche die lange literarische Tradition dieser Bildungseinrichtung prägt und fortschreibt. Dafür – und natürlich für die wunderbare Ror-Wolf-Werkausgabe, die bei Schöffling erscheint und die der Verlag der Siegfried-Unseld-Bibliothek zur Verfügung stellt – danken wir ganz herzlich!

Osama Ishneiwer

schoeffling.de/autoren/mirko-bonne

mirko-bonne.de

schoeffling.de/autoren/ror-wolf

Mehr aus dem Bereich campus-leben