13.06.2014 campus-leben

Hanne Kulessa zu gast

Ein Bericht von Literaturdozent Osama Ishneiwer

… wenn du mit aller Wucht auf den Boden der Realität stürzt, dann schmeckst du: Blut, Hass, Trauer, deine Liebe.

Sehr glücklich war ich, als Hanne Kulessa eine Lesung zu ihrem neuen Roman «An Kuhl» zusagte. Mein erster Kontakt zur Autorin war während meines Studiums durch die von ihr herausgegebene Anthologie «Der Schatten. Ein Lesebuch vom verlorenen Schatten mit sieben Kupfern nach George Cruikshank» (seinerzeit in der Sammlung Luchterhand erschienen), später dann durch eine meiner ersten Lesungen hier am mediacampus zu ihrem damals erschienenen Roman «Der Große Schwarze Akt». Seit dieser persönlichen Begegnung darf ich immer wieder von ihrem großen, fundiertem Wissen profitieren: Sie gehört zu den Menschen, die mit ihrer Persönlichkeit mich immer wieder begeistert. Der Austausch mit ihr bringt mich immer wieder weiter im Auf und Ab des Literaturbetriebsdschungels.

Die Lektüre ihres neuen Romans «An Kuhl», erschienen im CH. Schroer Verlag, hat mich wahrhaftig aus dem Bett geworfen, so sehr war ich wach gelesen vom Ende. Ein Erlebnis, welches ich in dieser Intensität zuletzt bei Tabucchis «Erklärt Pereira» hatte, auch wenn sich die Inhalte beider Romane freilich nicht vergleichen lassen. «An Kuhl» ist eine Spielform des Briefromans, in dem MariaMariaMaria jenem Mann namens «Kuhl» einen Brief schreibt, der ihr, über das durch Schweigen der Mutter hinsichtlich Marias Erzeugernamen entstandene Trauma, hinweghilft. Denn «[m]anchmal könnte Maria ihre Mutter umbringen. Aber würde sie dann den Namen ihres Vaters erfahren? Marias Mutter schweigt. Keine Antworten auf ihre Fragen. Niemals.» (Klappentext). Kuhl aber schweigt auch, Kuhl der Gedichteschreiber; Kuhl, die Liebe. Trotzdem erfährt Maria die Antwort durch Kuhl auf alle bisherigen Fragen. Wie es sich dann mit den neuen Fragen weiterleben lässt, dass muss sich der Leser am Ende alleine fragen. Es wird ihn nicht schlafen lassen, soviel sei verraten. Kuhl jedenfalls muss schweigen.

Ein Roman, hervorragend komponiert und von dem ich hoffe, dass es bald, von Hanne Kulessa gelesen, als Hörbuch erscheint. Ein Buch, dem ich eine große Leserschaft wünsche!

Vielen Dank, lieber Christopher Schroer für die Leseexemplare und vielen Dank, liebe Hanne Kulessa für den schönen Abend, auch im Namen der Azubis!

chsbooks.de

Mehr aus dem Bereich campus-leben