27.05.2015 campus-leben

«Alle Nähe fern»

Autor und Musiker André Herzberg zu Gast

Am Abend des 21. Mai begrüßte Literaturdozent Osama Ishneiwer gemeinsam mit über 50 Gästen den Musiker und Literaten André Herzberg zu einem musikalisch literarischen Abend. Herzberg stellte, untermalt von musikalischen Einlagen, seinen neuen bewegenden Roman «Alle Nähe fern» vor.

Herzberg ist nicht nur in Ostdeutschland vielen bekannt als Sänger der 1981 in der DDR gegründeten progressiven Rockband «Pankow». 2004 erschien sein Roman «Mosaik», welcher ebenfalls autobiografische Züge beinhaltet. «Alle Nähe fern» erzählt die Geschichte einer jüdischen Familie über drei Generationen vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart.

Zunächst ist da der Großvater Heinrich Zimmermann: Vom einfachen Lederhändler hat er es zum mittelständischen Unternehmer in Hannover gebracht und pflegte ein deutschnationales Weltbild. Fast zu spät erkennt er auch deshalb die Gefahr, die von den Nazis ausgeht. In buchstäblich letzter Sekunde gehen er und seine Frau ins Exil. Den Sohn Paul haben sie schon vorher nach England in Sicherheit gebracht. Nach dem Krieg geht Paul als überzeugter Kommunist in die DDR, verdrängt dort seine Herkunft, lebt „bescheiden“ als ranghoher Funktionär. Sein Sohn Jakob, der Ich-Erzähler des Romans, wird nach einer schwierigen Kindheit Sänger, durchlebt nach dem Mauerfall eine existentielle Krise und findet nach langem Suchen zum Judentum und zu sich selbst.

Lakonisch und bildgewaltig erzählt André Herzberg von der generationsübergreifenden lebenslangen Sehnsucht nach Bindung und Zugehörigkeit: zu einem Land, zu einer Partei, zu einer Familie. Und von Fremdheit zwischen Vätern und Söhnen. Ein starker literarischer Text, eine außergewöhnliche Familiengeschichte.

Ein großes Dankeschön an den Ullstein Verlag für die Unterstützung und vor allem vielen Dank, lieber André Herzberg, für diesen berührenden Abend.

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