14.08.2020 news

Entwicklungen und aktuelle Themen im E-Commerce

Nachgefragt bei Tobias Proksch

Tobias Proksch ist Geschäftsführer Marketing, IT & E-Commerce bei der Osianderschen Buchhandlung und kann auf einen langen Werdegang im E-Commerce-Bereich zurückblicken. Er studierte «Technisch orientierte Betriebswirtschaftslehre» an der Universität Stuttgart und den Master-Studiengang «Business Administration» mit Spezialisierung auf Marketing, eCommerce und Business Strategy an der Technischen Universität Lulea in Schweden. Vor seiner Zeit bei Osiander war er unter anderem Head of eCommerce bei MairDumont und Yves Rocher und Referent Marketing Web & eCommerce STIHL.

Mit Herrn Proksch haben wir einen ausgewiesenen Experten im Bereich E-Commerce für unsere Fortbildung zur «Fachwirt:in im E-Commerce (IHK)» gewonnen. Herr Proksch ist beratend und auch als Referent für das Curriculum der Fortbildung an Bord. Im Interview beantwortet er uns einige Fragen zur Relevanz und Entwicklung im E-Commerce.

Sowohl den Ausbildungsberuf zu E-Commerce-Kaufleuten als auch die Möglichkeit zur zugehörigen Fachwirt-Fortbildung gibt es in Deutschland noch nicht lange. Sie haben sich bereits 2002 in Ihrem Master-Studium mit dem Thema E-Commerce beschäftigt. Man könnte Sie also fast schon als Vorreiter bezeichnen. Wie kamen Sie dazu?

Proksch: Als Vorreiter möchte ich mich nicht bezeichnen. Ich bin 2000 eher zufällig durch ein Erasmus-Stipendium an die technische Unversität Lulea in Nordschweden gekommen. Dort habe ich im Rahmen eines Auslandsjahres Kurse besucht, die sowohl zu meinem deutschen BWL-Studium passten, als auch im meinem Interessengebiet lagen. Dadurch bin ich quasi in den sogenannten eMBA «hineingerutscht». Dieses Programm fokussierte sich damals schon stark auf die Methodiken international erfolgreicher eCommerce-Unternehmen. Aber auch auf die sehr individuelle Betreuung der Studierenden wurde wert gelegt. So zum Beispiel konnte ich meine deutschen Diplomnoten unbürokratisch in ECTS Punkte transferieren. Das hat mir gezeigt, dass nicht nur Inhalte motivieren, sondern auch die Wertschätzung und der Umgang mit zukünftigen Fachkräften.

Was waren in der ersten Hälfte der 2000er die großen Herausforderungen im Bereich E-Commerce?

Proksch: Speziell im eCommerce war die Herausforderung die funktionierenden Handelsmodelle durch Kooperation entlang der Wertschöpfungskette als wirtschaftlich darzustellen. Heute ist der Fokus stark Richtung Kunde gerutscht und diese:r muss immer im Zentrum aller Aktivitäten des professionellen eCommerce-Unternehmers stehen.

Wie ging es nach dem Studium für Sie weiter? Wurden viele Fachleute in diesem Bereich gesucht?

Proksch: Nach meinem Masterabschluss begann ich als Praktikant bei Europas erstem Affiliate-Netzwerk tradedoubler. Dort konnte ich mir ein Netzwerk aufbauen, das mir bei meinem späteren Werdegang sehr geholfen hat. Der Bereich eCommerce wurde damals selten von eCommerce-Profis verantwortet. eCommerce war zu diesem Zeitpunkt eher das ungewollte Kind des Vertriebs oder schnöde Anhang der Marketingabteilung.

Wie haben sich die Themen und Herausforderungen im E-Commerce in den vergangenen Monaten und Jahren im Vergleich zu früher geändert? 

Proksch: Wie oben schon gesagt, liegt der heutige Fokus im eCommerce auf dem Kunden. Die Unternehmen dürfen nicht eigene Prozesse, Vorgaben oder Inhalte vor die Kundenbedürfnisse stellen. Daher ist auch eine Re-Organisation für Unternehmen entlang der sogenannten Customer Journey unerlässlich. Diese Re-Organisation und die radikale Kundenzentrierung ist auch mein Beitrag zum neuen «Fachwirt im E-Commerce (IHK)» des mediacampus frankfurt.

Wie hat das Ihren Arbeitsalltag im Vergleich zu früher geändert? 

Mein Arbeitsalltag hat sich absolut geändert: wo «früher» topdown Entscheidungen des Managements, des Vertriebs oder der Marketingleitung den Arbeitsalltag des eCommerce-Mitarbeiters bestimmt haben, ist heute die intrinsische Motivation, der Wille Verantwortung zu übernehmen und das maximale Vertrauen in crossfunktionale Teams und agile Arbeitskreise essentiell für den Erfolg der gesamten eCommerce-Unternehmung. Nur so kann man heutzutage auf die ständigen Marktveränderungen reagieren bzw. in die Rolle des Agierenden übergehen.

Und genau das möchte ich den Studierenden des «Fachwirts im E-Commerce (IHK)» näherbringen, weil wir solche Leute dringend im Markt brauchen, um täglich Prozesse, Systeme und Geschäftsmodelle im Sinne des Kunden in Frage zu stellen.

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