09.02.2022 campus-leben, veranstaltungen

Wenn die Tell-Saga zu einem absoluten Pageturner wird…

Literarischer Abend mit dem Diogenes Verlag

Die grandiosen Seckbacher Festspieltage am mediacampus frankfurt fanden am Mittwoch, den 09.02.2022, ihren literarischen Abschluss. Wir durften zu diesem feierlichen Anlass den Diogenes Verlag begrüßen. Zu Gast war der Autor Joachim B. Schmidt mit seinem neuesten Roman «Tell», der am 23.02.2022 offiziell erscheinen wird, sowie Klaus Kaltenbach, dem Vertreter des Diogenes Verlags.

«Tell» ist einer der Spitzentitel des diesjährigen Jubiläumsprogramms des Diogenes Verlags, der seinen 70. Geburtstag feiert. Dabei handelt es sich um eine Neuinterpretation der berühmten Wilhelm Tell-Saga Friedrich Schillers. Wilhelm Tell gilt als ein bedeutsamer Freiheitskämpfer und wird seit Ende des 19. Jahrhunderts sogar als Nationalheld der Schweiz gefeiert. Als Schweizer ist Joachim B. Schmidt selbstverständlich auch mit der berühmten Tell-Saga großgeworden, die sein Vater ihm damals erzählte.

Bekannt wurde Schmidt zunächst durch seine Island-Romane sowie seinem ersten Diogenes Roman «Kalmann». Nach diesen Erfolgen stand für ihn fest, dass er literarisch etwas völlig Neues ausprobieren möchte. So besann er sich zurück auf seine Kindheit, auf seine heimatlichen Wurzeln und letztlich auf die Tell-Saga, die er völlig neu interpretierte und umschrieb. Joachim B. Schmidt hat die gesamte Geschichte von Grund auf modernisiert, bedeutsame Szenen feinfühlig herausgearbeitet und ergänzt, Lücken gefüllt oder umgedreht und den Charakteren sehr feine Züge verliehen. Inspiriert haben den Autor insbesondere Gespräche mit dem Autor Einar Kárason des bekannten Romans «Sturmvögel». Sprache müsse modern sein, damit sich die Leser:innen mit den Charakteren identifizieren können. Um dies zu erreichen, dürfe keine Distanz zwischen den Leser:innen und der Geschichte bestehen; vielmehr sollen sie Teil der fiktionalen Welt werden. Mit unglaublichem Feingefühl lässt Schmidt somit 20 unterschiedliche Charaktere über die Seiten tanzen, um sie dann nach und nach zu einem großen Ganzen ineinanderfließen zu lassen. Die Angst wird zum zentralen Motiv der Geschichte, die auch der ursprünglichen Legende innewohnt. Die Leser:innen spüren regelrecht die Geschwindigkeit, mit der die Geschichte angetrieben wird und bleiben mit einem unglaublichen Page-Turner atemlos zurück. Doch auch die Sehnsucht nach der Heimat, den Bergen und den Wurzeln fließen sehr stark in das Werk mit ein, genauso wie die Kindheitserfahrungen des Autors in den Alpen, was die Kulisse der Geschichte umso realistischer wirken lässt.

Joachim B. Schmidt verrät, dass er es mit seiner Idee der Geschichtsumschreibung Tells anfangs nicht leicht hatte und auf große Ablehnung und Skepsis innerhalb seiner Familie stieß. Dies ließ ihn jedoch nicht von seinem großen Projekt abbringen, das er letztlich mit Bravour beendete. Diogenes war direkt von seiner Idee begeistert und zwar so sehr, dass der Roman nun auf dem Titelblatt des Jubiläumsprogramms thront. Schmidts Werk ist eine wahre Bereicherung für die Gegenwartsliteratur, indem er die Gegenwart mit der Literaturgeschichte vereint und ineinanderfließen lässt.

Wir bedanken uns ganz herzlich beim Diogenes Verlag, Joachim B. Schmidt und Klaus Kaltenbach für den tollen, inspirierenden Abend. Es war total spannend, einen Einblick in den Schaffensprozess dieses besonderen Werkes zu bekommen. Darüber hinaus gilt unser Dank auch dem mediacampus frankfurt, der uns diesen Abend erst ermöglicht hat. Ein riesiges Dankeschön gilt ganz besonders unserem Literatur-Dozenten Osama Ishneiwer, der die Seckbacher Festspieltage überhaupt erst ins Leben gerufen hat und nach beinahe 1.000 Abendveranstaltungen (Wahnsinn!!!) den mediacampus frankfurt verlässt. Danke für die tollen Abende!

Hannah Bohle, Block 221        

 

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