25.01.2022 campus-leben, veranstaltungen

Vernetzung für den Erhalt kultureller Vielfalt

Die Kurt Wolff Stiftung zu Besuch am mediacampus frankfurt

«Man verlege entweder Bücher, von denen man meint, die Leute sollen sie lesen, oder Bücher, von denen man meint, die Leute wollen sie lesen». Dieses Zitat geht auf den Verleger Kurt Wolff zurück. In den frühen 1920ern verlegte er unbekannte Autor:innen, um diesen eine Chance zu geben, gelesen zu werden – unter anderem Franz Kafka. Kurt Wolff verlegte Bücher, von welchen er glaubte, dass sie gelesen werden müssen und leistete auf diesem Weg einen Beitrag zur literarischen Vielfalt Deutschlands.

Am 25.01.2022 stellte sich die nach ihm benannte Kurt Wolff Stiftung (KWS) im Rahmen der Seckbacher Festspielwochen vor. Zu Gast waren Sarah Käsmayr, Vorstandsmitglied der KWS und Verlegerin des MaroVerlag, sowie Thomas Zehender, Verleger des danube books Verlag. Literaturdozent Osama Ishneiwer moderierte den Abend, an welchem 55 Interessierte über Zoom teilnahmen.
Da unabhängige Verlage einen enormen Beitrag zur kulturellen Vielfalt leisten, gleichzeitig jedoch im Buchhandel unterrepräsentiert sind und das Budget meist nicht ausreicht, um Produktionskosten zu decken, wurde im Jahr 2000 die KWS gegründet. Der Stiftung geht es um den Austausch zwischen den Verlagen und der Bündelung ihrer Stimmen – mit dem Ziel, gemeinsam für Belange einzutreten, Förderungen auszuhandeln und sichtbar zu werden. Letzteres manifestiert sich in ihrem Katalog «es geht um das Buch». Eine Offenbarung für alle Entdeckungsfreudige, denn darin enthalten ist eine Auswahl der circa 130 beteiligten Verlage mit kurzem Verlagsprofil und deren Neuerscheinungen.

Neben der KWS stellte Sarah Käsmayr den MaroVerlag vor, den sie zusammen mit ihrem Vater führt. Der persönliche Bezug steht beim MaroVerlag im Vordergrund und so wird nicht nur Papier, Typographie und Illustration eigens ausgewählt, sondern auch mal selbst zur eigenhändigen Vollendung des Buches in Druckerei und Buchbinderei gefahren. Ein besonderes Resultat daraus sind die unkonventionell gestalteten Maro-Hefte mit Essays zu aktuellen Reizthemen.
Aber auch Lyrik, Handarbeitsratgeber und Romane werden verlegt. Aktuell beispielsweise «Die Chamäleon Dame», ein Debüt von Yvonne Hergane: Eine Flucht- und Migrationsgeschichte, die sich über vier Generationen zwischen dem Banat und Deutschland abspielt.

Der Verleger Thomas Zehender präsentierte den danube books Verlag. Literarisch bleiben wir im Süden Osteuropas. Sein Motto lautet «Grenzenlos europäisch» – ein Credo für die Autor:innenauswahl, deren Heimatländer sich in Osteuropa, entlang der Donau ansiedeln und leider viel zu selten Beachtung auf dem deutschen Buchmarkt finden.
«Vielfalt in Religionen, Kulturen und Ethnien mache die Donauregion aus», so Thomas Zehender.
Sein Ansinnen betonte er leidenschaftlich: Durchlässigkeit der vielen Grenzen durch kulturellen Austausch – mit dem Verlegen von Sachbüchern und Prosa. Unter anderem «Platte 317», ein Roman von Rayna Breuer, der die Lebenssituation der Bewohner:innen eines Plattenbaus nach Ende des bulgarischen Kommunismus skizziert.

Stolz ist Thomas Zehender auch auf die mehrsprachig publizierte Lyrikreihe «Edition Textfluss».
Für die Realisierung solcher Projekte braucht es Unterstützung. Hier schließt sich der Kreis zur KWS, die selbst Förderpreise verleiht, aber auch im Namen der unabhängigen Verlage mit der Bundesregierung um Zuschüsse verhandelt.
Die Schwierigkeit Aufmerksamkeit zu erhalten ist für kleine Verlage eine Herausforderung. Möglichkeiten tun sich dennoch auf: direkter Kontakt zu Kund:innen, Verlagsvorstellungen und Lesungen; vor allem jedoch Buchhandlungen, welche die Entscheidung treffen unabhängigen Verlagen eine Bühne auf ihren Verkaufstischen zu geben!
Eines wurde an diesem Abend mehr als deutlich: Um kulturelle Vielfalt in der Literatur zu gewährleisten, braucht es Vernetzung und Kooperation, die in Unterstützung mündet. Eine Aufgabe, deren Erfüllung uns letztendlich allen zugutekommt.

Ein herzliches Dankeschön geht an die Gäste des Abends, Sarah Käsmayr und Thomas Zehender, die uns mit großer Passion durch den Abend geführt haben.

Ein Bericht von Saskia Jürgens, 221. Block.

 

Mehr aus dem Bereich campus-leben, veranstaltungen