15.03.2022 campus-leben, veranstaltungen

TEXT+KRITIK stellt sich vor

60 Jahre Literatur pur!

Am Dienstag, den 15.03.2022, beschäftigte sich eine Abendveranstaltung in mehrerlei Hinsicht mit TEXT+KRITIK, denn an diesem Abend rund um die beliebte Zeitschrift über Literatur ging es unter anderem um den literarischen Journalismus, den uns Axel Ruckaberle und Erika Thomalla näher brachten.

Man durfte sich auf einige spannende Einblicke hinter die Kulissen der literarischen Zeitschrift freuen, was wohl einige Schüler:innen für eine interessante Prämisse hielten, hatte die Abendveranstaltung doch 52 Zuschauer:innen, die sich offensichtlich gerne mit Literatur beschäftigen.

Der Abend fing mit einer kleinen Führung durch die Historie der Literaturzeitschrift an, geleitet von Axel Ruckaberle.

1963 erschien die erste von Heinz Ludwig Arnold herausgegebene Ausgabe über Günther Grass. Schon an dieser ersten Ausgabe ließ sich die thematische Tendenz hin zu Autor:innen und deren Werken und Schaffen erkennen. Seitdem erscheinen kontinuierlich jährlich vier Ausgaben. Doch nicht nur inhaltlich hat die Zeitschrift Wiedererkennungswert, auch die seriöse und gleichzeitig ansprechende in schwarzweiß gehaltene Gestaltung wurde beibehalten.

1975 fand schließlich eine der prägendsten Entwicklungen statt: TEXT+KRITIK war jetzt nicht mehr nur eine Zeitschrift, sondern ging aus dem Richard Boorberg Verlag als eigenständiger Verlag hervor.

Seitdem findet man nicht nur die ikonische Zeitschrift, sondern auch Buchreihen, Monografien oder Lexika über Musik und Film im Sortiment des Verlages.

Vom Aushängeschild des Verlages edition text + kritik, der Zeitschrift, erschienen seither insgesamt 233 Ausgaben.

Die Anbringung dieser Information haben wir für eine unsere Fragen genutzt: Gab es ein Heft, zu welchem man sagen könnte, dass es die höchste Nachfrage besaß?

Die Antwort war eindeutig: der 2021 erschienene Band über Loriot hatte enorm hohe Nachfragen, war eine Zeitlang vergriffen und wurde bereits dreimal wieder neu aufgelegt. Große Namen sind bei TEXT+KRITIK immer wieder zu finden und finden meistens auch großen Anklang. Doch egal ob großer Name oder nicht, TEXT+KRITIK richtet sich trotz in erster Linie wissenschaftlicher Ausrichtung auch an literaturinteressierte Laien.

Der durch den Anstoß von Erika Thomalla ins Leben gerufene Sonderband «literarischer Journalismus» befasst sich mit der Entstehung und Entwicklung dieser an Fiktion grenzenden Unterart des Journalismus. Von der Erweckung durch amerikanische Einflüsse bis hin zur Verflechtung verschiedenster Redaktionen die sich dem literarischen Journalismus verschrieben haben, ist alles dabei.

Auch mit Kritik geschlagene Persönlichkeiten dieser Strömung werden näher beleuchtet. Wie blieb es jahrelang unentdeckt, dass der schweizer Journalist und Autor Tom Kummer vielfach seine Interviews mit Hollywood Stars zum Großteil der Fiktion enthoben hatte? Warum erfreuten seine Artikel sich trotz – oder vielleicht auch gerade deswegen – so einer großen Beliebtheit?

Eine Aktion wie die der «Tempo»-Redaktion, bei der gefälschte Propaganda-Zeitschriften in der DDR ausgeliefert wurden, sind Beispiele für die Reichweite des literarischen Journalismus. Die ehemaligen Redakteure der «Tempo» gedenken heute noch bekannten Vertretern dieser Art Journalismus, wie beispielsweise dem renommierten Autoren Christian Kracht. Als einer der ersten Journalisten im deutschsprachigen Raum parodierte Kracht die aus den USA emigrierten Homestorys. Diese präsentierten verschiedene prominente Persönlichkeiten im vertrauten, häuslichen Umfeld und eigneten sich für eine fiktionale Umgestaltung.

Neben den auf Autor:innen fokussierten Ausgaben, erscheinen immer wieder Sonderbände, die sich speziellen Themen der Literatur widmen. Weitere Bände umfassen die «Lyrik des 20ten Jahrhunderts» oder auch einen Sonderband zum 200. Geburtstags von Theodor Fontane.

Der Sonderband «Literarischer Journalismus» erscheint im Juli 2022.
Diese Abendveranstaltung hat uns gezeigt wie sehr TEXT+KRITIK sowohl mit ihrer Zeitschrift als auch mit dem Rest ihres Programms ideal für Literaturliebhaber:innen ist.

Wir bedanken uns für einen spannenden, aufschlussreichen und tiefgehenden Abend.

Jakob Rimmler und Lars Wilken, 222. Block

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